BALDRUIN — Relikte aus der Zukunft
More Info
Relikte aus der Zukunft (Relics from the Future) is a new album by experimental German artist Baldruin. Growing up in a small Bavarian village rectory around 10 meters beside the church and serving as an altar boy; organ music, church bells, and spiritual chanting were very much present in Johannes Schebler's ears during his childhood years. This experience was probably the basis for his ongoing interest in transcendental and mysterious atmospheres, he recalls. Schebler started making music as Baldruin back in 2009 with DIY experimentations which were first released on tape, a CD-R 3" and later on several LPs all over Europe (Ireland, Spain, Portugal, Poland, Finland, Netherlands, Slovakia), as well as in the USA and Japan. While in the beginning Baldruin's tracks were mostly created with acoustic instruments, later synthesizers and other electronic sound sources joined, expanding the sound palette and letting primordial and futuristic worlds merge organically into each other. Although Relikte aus der Zukunft feels like a journey to the unknown, with constantly changing moods, all of the recordings were done in a small and improvised home studio in Schebler's living room in Wiesbaden, Germany, using mostly a single MIDI-keyboard for recording. The tracks are full of color and amazement, detailed and thorough when evoking the setting and conjuring the experience. They can be playful and bright, or suspenseful and ominous, until bursting into ritual and hallucination. The gloomiest soundscapes can jump into a ship fueled by retro sci-fi arpeggios, the solemn can turn to rejoice, and a star can shrink into a fireplace. Mastered by Alberto Cendra at Garden Lab Audio. Cover art by Johannes Schebler. Edition of 300.
https://buhrecords.bandcamp.com/album/relikte-aus-der-zukunft
"Vor gerade einmal acht Monaten brachte Johannes Schebler alias Baldruin mit Kleine Freuden ein Album heraus, das trotz seiner Opulenz und vor allem wegen der geschlossenen Kompaktheit der einzelnen Stcke ganz im Zeichen der fast schon intim anmutenden Miniatur stand. Seit einigen Wochen steht mit Relikte aus der Zukunft nun ein neuer Longplayer in den Regalen, der im Vergleich dazu wie ein Gegenzoom wirkt und die Aufmerksamkeit auf die groen und breiten Zusammenhnge richtet. Schon der Titel knnte zu einem handlungsreichen Film passen, und zu Tracks wie Hintenherum, Wurzeltrank oder Ritt auf der Silberechse knnte man sich fantastische Science Fiction-Stoffe der surrealen Art ausdenken.
Die ersten Minuten des Albums verbreiten eine erwartungsvolle Stimmung: Es klappert und rumpelt, und ber einem Sound, der nach Syntie klingt, erklingt das Trillern verschiedener Klangquellen, die Flten, Klarinetten und ein Saxophon sein knnten, im Zusammenspiel mit flatternden Flgelschlgen aber sofort an verfremdete Vogelstimmen denken lassen. Halbversteckte Glockenschlge im Hintergrund leiten ber in ein sakraler anmutendes Setting mit tiefen Tastentnen und etwas, das an Chorle erinnert, und man wundert sich, dass all dies laut Begleittext berwiegend einem Midi-Keyboard entstammen soll.
Sanft bimmelnde Glckchen, spannungsvolle Cellodrones, quirlige Sounddetails, die wie Gummi quietschen; ein vermutlich asiatisches Saiteninstrument, dass mit seinen kreisenden Bewegungen eine entsprechende Melodie anstimmt und weitere folkig eingefrbte Klnge; alarmierende Hochtner ber dunklen, aus der Ferne hrbaren Paukenschlgen; desolate Sounds, die fr kurze Momente an Industrial erinnern; sogar eine vervielfachte menschliche Stimme vor einer Kulisse aus Gebimmel und rauschenden Motoren die klanglichen Details und motivischen Ideen sind in diesem Album beinahe Legion und im stndigen Wandel begriffen. Ist man erstmal vollends in diese Welt eingetaucht, dann halluziniert man vielleicht noch einige dazu. Wenn man also so etwas wie einen roten Faden sucht, dann findet man ihn woanders, z.B. in der aufgeweckten Neugier, die in der Reise durch die verschiedenen Klangwelten sprbar ist. Da scheint man dem Entdecken einer Kultur beizuwohnen, deren Zeichen man wie ein Schwamm aufsaugt, whrend die eigentliche Erforschung und Kartografierung noch ansteht. Die einzelnen Szenarien wirken wie Momentaufnahmen im Stadium des ersten faszinierten Eindrucks.
Neben Insel der Hoffnung, dass in all seiner Vertrumtheit und mit gebrochenen Rhythmen so etwas wie der Hit des Albums sein knnte, gibt es weitere Wegmarken. Das wre z.B Wilde Reise, eine von rumpelnden Trommelwirbeln und entrckten Fltensounds begleitete Fahrt ber Stock und Stein. Auerdem Vorherbestimmt, das mit seinen pulsierenden Orchestralsounds wie ein dramatischer Stummfilmscore klingt, der von allerlei destruktivem Klirren begleitet wird und in seiner ganz eigenen Schnheit doch unangetastet bleibt. Vielleicht findet sich auch in dieser Tendenz zur Zerfleddertheit, an deren Grenze sich fast alle Stcke bewegen, und die immer durch eine solide Grundsubstanz eingehegt und zusammengehalten wird, ein Schlssel zur klanglichen Grund-DNA dieses beeindruckenden Albums." [African Paper]
https://buhrecords.bandcamp.com/album/relikte-aus-der-zukunft
"Vor gerade einmal acht Monaten brachte Johannes Schebler alias Baldruin mit Kleine Freuden ein Album heraus, das trotz seiner Opulenz und vor allem wegen der geschlossenen Kompaktheit der einzelnen Stcke ganz im Zeichen der fast schon intim anmutenden Miniatur stand. Seit einigen Wochen steht mit Relikte aus der Zukunft nun ein neuer Longplayer in den Regalen, der im Vergleich dazu wie ein Gegenzoom wirkt und die Aufmerksamkeit auf die groen und breiten Zusammenhnge richtet. Schon der Titel knnte zu einem handlungsreichen Film passen, und zu Tracks wie Hintenherum, Wurzeltrank oder Ritt auf der Silberechse knnte man sich fantastische Science Fiction-Stoffe der surrealen Art ausdenken.
Die ersten Minuten des Albums verbreiten eine erwartungsvolle Stimmung: Es klappert und rumpelt, und ber einem Sound, der nach Syntie klingt, erklingt das Trillern verschiedener Klangquellen, die Flten, Klarinetten und ein Saxophon sein knnten, im Zusammenspiel mit flatternden Flgelschlgen aber sofort an verfremdete Vogelstimmen denken lassen. Halbversteckte Glockenschlge im Hintergrund leiten ber in ein sakraler anmutendes Setting mit tiefen Tastentnen und etwas, das an Chorle erinnert, und man wundert sich, dass all dies laut Begleittext berwiegend einem Midi-Keyboard entstammen soll.
Sanft bimmelnde Glckchen, spannungsvolle Cellodrones, quirlige Sounddetails, die wie Gummi quietschen; ein vermutlich asiatisches Saiteninstrument, dass mit seinen kreisenden Bewegungen eine entsprechende Melodie anstimmt und weitere folkig eingefrbte Klnge; alarmierende Hochtner ber dunklen, aus der Ferne hrbaren Paukenschlgen; desolate Sounds, die fr kurze Momente an Industrial erinnern; sogar eine vervielfachte menschliche Stimme vor einer Kulisse aus Gebimmel und rauschenden Motoren die klanglichen Details und motivischen Ideen sind in diesem Album beinahe Legion und im stndigen Wandel begriffen. Ist man erstmal vollends in diese Welt eingetaucht, dann halluziniert man vielleicht noch einige dazu. Wenn man also so etwas wie einen roten Faden sucht, dann findet man ihn woanders, z.B. in der aufgeweckten Neugier, die in der Reise durch die verschiedenen Klangwelten sprbar ist. Da scheint man dem Entdecken einer Kultur beizuwohnen, deren Zeichen man wie ein Schwamm aufsaugt, whrend die eigentliche Erforschung und Kartografierung noch ansteht. Die einzelnen Szenarien wirken wie Momentaufnahmen im Stadium des ersten faszinierten Eindrucks.
Neben Insel der Hoffnung, dass in all seiner Vertrumtheit und mit gebrochenen Rhythmen so etwas wie der Hit des Albums sein knnte, gibt es weitere Wegmarken. Das wre z.B Wilde Reise, eine von rumpelnden Trommelwirbeln und entrckten Fltensounds begleitete Fahrt ber Stock und Stein. Auerdem Vorherbestimmt, das mit seinen pulsierenden Orchestralsounds wie ein dramatischer Stummfilmscore klingt, der von allerlei destruktivem Klirren begleitet wird und in seiner ganz eigenen Schnheit doch unangetastet bleibt. Vielleicht findet sich auch in dieser Tendenz zur Zerfleddertheit, an deren Grenze sich fast alle Stcke bewegen, und die immer durch eine solide Grundsubstanz eingehegt und zusammengehalten wird, ein Schlssel zur klanglichen Grund-DNA dieses beeindruckenden Albums." [African Paper]