M.B. / COALMINER + ALLIES — Antimateria
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Allies:
GNAW THEIR TONGUES (Netherlands);
RICHARD RAMIREZ (USA, founder of Black Leather Jesus); TORTURING NURSE (China)
ZENABI (Philippines);
GRODOCK (Germany);
TOSHIJI MIKAWA (Japan, founder of Incapacitants);
MANY BLESSINGS (USA; with Ethan Lee of Primitive Man);
UNSIGNIFIED DEATH (Thailand)
MAURIZIO BIANCHI is one of the founders of early industrial and noise music and should be familiar to the most. For ANTIMATERIA he contributed two brand new, merging pieces in which he approaches the theme through sounds of iluminescent and rushing keyboard clusters. COALMINER establishes several harshnoise tracks, for which they collaborated with the most diverse artists of the genre, from different countries. in the next few days, the various supporters will be presented here.
Art by: Paul van Trigt, M.B. and Bruno Erber
https://grubenwehrfreiburg.bandcamp.com/album/antimateria
"Schon vor etlichen Jahren haben Kernphysiker verschiedene Untersuchungen zu den Klngen von Antimaterieteilchen durchgefhrt. Die Ergebnisse sind mittlerweile vermutlich Legion und mir weitgehend unbekannt. Wenn im Zuge dessen allerdings so etwas wie der Sound auf der vor einigen Monaten erschienenen Compilation Antimateria mglich ist, dann wre ich prinzipiell dafr.
Auf der LP Antimateria, die wenn man genau sein will ein zwischen Kollaboration, Compilation und Split-Release angesideltes Objekt darstellt, arbeitet auf der ersten Seite das hierzulande hoffentlich bald wesentlich bekanntere philippinische Harsh Noise-Duo Coalminer mit einer Reihe an Acts zusammen, die trivial formuliert fast wie ein Who is Who internationaler Lrmknste anmuten. Die Resultate offenbaren einen starken verbindenden Rahmen, unterscheiden sich aber im Detail sowohl in der klanglichen Beschaffenheit (Rauheit versus relativ glatte Politur, oder besser leicht abgemilderte Rauheit) als auch in der Struktur (Fluss versus Stakkato und alle Zwischenstufen).
Den Auftakt bildet ein Track, den die beiden (wie vermutlich in fast allen Stcken) in Mail Art-Manier zusammen mit der ursprnglich mal als Band gegrndeten und heute von Junkie im Alleingang betriebenen Shanghaier Institution Torturing Nurse und dem deutschen Noise- und Experimental-Act Grodock aufgenommen haben. Nach wenigen brummenden Sekunden bricht eine Lawine aus Schutt und Geschrei auf die Ohren nieder, und was anfangs noch eher wie im Fluss wirkt, in welchem man die Schreie von Kindern und Schmerzgeplagten hrt, wird irgendwann von einem ohrenbetubenden Donnern und Rattern und Rumpeln zerstampft. Anschlieend geht es in Zusammenarbeit mit Richard Ramirez und dem Landsmann Zenabi zunchst etwas zurckgenommener zur Sache, man hrt verhaltenes Brodeln und Kratzen, bei dem sich zum einen die vielzitierte Noise-Wall mit rauer Tapete abzeichnet, aber auch das, was ungebte Ohren gerne einen Kaputte Boxen-Effekt nennen. Das ist aber nur die Kulisse, auf der sich viele andere zum Teil entgrenzte Dinge wie schwindelerregender Drehungen oder hllisches Gekeife aus einem riesigen Mund ereignen.
Die qualvollen Schreie zeigen sich am eindrcklichsten in dem Track, den Coalminer zusammen mit dem aus dem experimentellen Black Metal stammenden niederlndischen Projekt Gnaw Their Tongues und dem Amerikaner Ethan Lee McCarthy alias Many Blessings aufgenommen hat. Hier mischen sich die Todesschreie in ein furioses ambientes Rauschen, das mit der Zeit immer mehr zu einem kleinteiligen, schnellen Flickerbild mutiert. Zusammen mit Toshiji Mikawa (seines Zeichens Mitgrnder der Incapacitants) und dem von Bangkok aus operierenden Polwach Beokhaimook alias Unsignified Death schliet die erste Seite mit einem Track, in welchem eine anfangs fast noch angenehm klingende Wall durch hochtnendes Feedback, bengstigendes Lachen und herausgekotzte Vocals zum Einsturz gebracht wird. So wird Antimaterie zu einem Fest fr die Ohren.
Zu einem kompletten Tapetenwechsel (ohne Raufaser, pun intended) kommt es beim Auflegen der zweiten Seite, denn die beiden jeweils rund zehnmintigen Stcke, die Maurizio Bianchi hier unter seinem Krzel M.B. abliefert, knnten zum bisher gehrten kaum eindrucksvoller kontrastieren. Was vom Label als sounds of iluminescent and rushing keyboard clusters beschrieben wird, erweist sich als Labsal von flirrender ambienter Struktur, deren helle, obertonreiche Gestalt immer in Bewegung bleibt. Im Verlauf der beiden Stcke entfalten sich beim zweiten Yangnay mehr noch als beim erffnenden Gnayang leisere und lautere Abschnitte, in denen kleine Unregelmigkeiten, die manchmal wie Tonstrungen anmuten, fr eine im besten Sinne unspektakulre Dynamik sorgen. Und durchgehend sorgt eine sonnengeblendete Flimmersthetik fr ein fast nostalgisches Deja-Vu zu klassischen Synthesizer-Kompositionen besserer Zeiten.
Weit davon entfernt den Verffentlichungsturnus v.a. im Harsh Noise zu berblicken schtze ich, dass Antimateria zu den herausragenden Releases in diesem Bereich zhlt. Das betrifft natrlich primr die Coalminer und seinen Kollegen gewidmete Seite, aber auch in dem hier adressierte Dunstkreis tut ein Blick ber den Tellerrand, hinter dem Bianchi seine sanften Keyboardsounds spielt, sicher ganz gut. Tolle Platte, die hoffentlich nochmal neu aufgelegt werden wird." [U.S./African Paper]
"First off, this album has six different vinyl versions, ranging from 10 copies in pristine white to 90 copies in red/brown flamed. Some are with additional CDs, some without, but Grubenwehr really put some effort into this release. I give compliments to you guys; your effort and energy paid off.
The two sides of this album are unrelated to each other. With this, I mean, it's not artists remixing each other or collaborative work using each other's sounds or so. It's 20 minutes per artist, and I think I have never had a better opportunity to present two fully different definitions of noise music in the same review to you, the reader. First of all, Side A: Coalminer. A duo from Manilla. Philippines, on their four tracks, work together with friends from all over the world. How about (and it's just half of them) Torturing Nurse, Richard Ramirez, Gnaw Their Tongues and Unsignified Death? And the music
is so intense!!! I couldn't tell you the content of the lyrics, but the titles kinda imply it. "Dissection", "Gaping Crevice", "Decomposition" and "Electrocution". I mean ... It's probably all lullabies for the sick and twisted (pun intended).
The reverse side contains two 10-minute pieces by M.B., a.k .a. Maurizio Bianchi. M.B. started working on his art in 1979 using pre-recorded sounds and, in 1980, worked more with the generation of his own sounds. He is absolutely one of the pioneers of early industrial and noise, and on the two pieces presented here - "Gnayang" and "Yangnay" - he approaches the theme of "Antimateria" through sounds of luminescent and rushing keyboard clusters. How does that translate to sound? Two lengthy pieces in which not much happens but where a lot happens. It sounded like a combination of organs and vocoders and was never-ending, always moving. I had a few moments where I was drawn into the atmosphere of Wendy Carlos works, but then more of a static/non-static drone. IF M.B.'s interpretation of the subject was that while nothing happens, a lot happens, and at the same time, because a lot happens, nothing happens, then he succeeded cum laude. Beautiful works, but in all honesty, It's an acquired taste." [BW/Vital Weekly]
GNAW THEIR TONGUES (Netherlands);
RICHARD RAMIREZ (USA, founder of Black Leather Jesus); TORTURING NURSE (China)
ZENABI (Philippines);
GRODOCK (Germany);
TOSHIJI MIKAWA (Japan, founder of Incapacitants);
MANY BLESSINGS (USA; with Ethan Lee of Primitive Man);
UNSIGNIFIED DEATH (Thailand)
MAURIZIO BIANCHI is one of the founders of early industrial and noise music and should be familiar to the most. For ANTIMATERIA he contributed two brand new, merging pieces in which he approaches the theme through sounds of iluminescent and rushing keyboard clusters. COALMINER establishes several harshnoise tracks, for which they collaborated with the most diverse artists of the genre, from different countries. in the next few days, the various supporters will be presented here.
Art by: Paul van Trigt, M.B. and Bruno Erber
https://grubenwehrfreiburg.bandcamp.com/album/antimateria
"Schon vor etlichen Jahren haben Kernphysiker verschiedene Untersuchungen zu den Klngen von Antimaterieteilchen durchgefhrt. Die Ergebnisse sind mittlerweile vermutlich Legion und mir weitgehend unbekannt. Wenn im Zuge dessen allerdings so etwas wie der Sound auf der vor einigen Monaten erschienenen Compilation Antimateria mglich ist, dann wre ich prinzipiell dafr.
Auf der LP Antimateria, die wenn man genau sein will ein zwischen Kollaboration, Compilation und Split-Release angesideltes Objekt darstellt, arbeitet auf der ersten Seite das hierzulande hoffentlich bald wesentlich bekanntere philippinische Harsh Noise-Duo Coalminer mit einer Reihe an Acts zusammen, die trivial formuliert fast wie ein Who is Who internationaler Lrmknste anmuten. Die Resultate offenbaren einen starken verbindenden Rahmen, unterscheiden sich aber im Detail sowohl in der klanglichen Beschaffenheit (Rauheit versus relativ glatte Politur, oder besser leicht abgemilderte Rauheit) als auch in der Struktur (Fluss versus Stakkato und alle Zwischenstufen).
Den Auftakt bildet ein Track, den die beiden (wie vermutlich in fast allen Stcken) in Mail Art-Manier zusammen mit der ursprnglich mal als Band gegrndeten und heute von Junkie im Alleingang betriebenen Shanghaier Institution Torturing Nurse und dem deutschen Noise- und Experimental-Act Grodock aufgenommen haben. Nach wenigen brummenden Sekunden bricht eine Lawine aus Schutt und Geschrei auf die Ohren nieder, und was anfangs noch eher wie im Fluss wirkt, in welchem man die Schreie von Kindern und Schmerzgeplagten hrt, wird irgendwann von einem ohrenbetubenden Donnern und Rattern und Rumpeln zerstampft. Anschlieend geht es in Zusammenarbeit mit Richard Ramirez und dem Landsmann Zenabi zunchst etwas zurckgenommener zur Sache, man hrt verhaltenes Brodeln und Kratzen, bei dem sich zum einen die vielzitierte Noise-Wall mit rauer Tapete abzeichnet, aber auch das, was ungebte Ohren gerne einen Kaputte Boxen-Effekt nennen. Das ist aber nur die Kulisse, auf der sich viele andere zum Teil entgrenzte Dinge wie schwindelerregender Drehungen oder hllisches Gekeife aus einem riesigen Mund ereignen.
Die qualvollen Schreie zeigen sich am eindrcklichsten in dem Track, den Coalminer zusammen mit dem aus dem experimentellen Black Metal stammenden niederlndischen Projekt Gnaw Their Tongues und dem Amerikaner Ethan Lee McCarthy alias Many Blessings aufgenommen hat. Hier mischen sich die Todesschreie in ein furioses ambientes Rauschen, das mit der Zeit immer mehr zu einem kleinteiligen, schnellen Flickerbild mutiert. Zusammen mit Toshiji Mikawa (seines Zeichens Mitgrnder der Incapacitants) und dem von Bangkok aus operierenden Polwach Beokhaimook alias Unsignified Death schliet die erste Seite mit einem Track, in welchem eine anfangs fast noch angenehm klingende Wall durch hochtnendes Feedback, bengstigendes Lachen und herausgekotzte Vocals zum Einsturz gebracht wird. So wird Antimaterie zu einem Fest fr die Ohren.
Zu einem kompletten Tapetenwechsel (ohne Raufaser, pun intended) kommt es beim Auflegen der zweiten Seite, denn die beiden jeweils rund zehnmintigen Stcke, die Maurizio Bianchi hier unter seinem Krzel M.B. abliefert, knnten zum bisher gehrten kaum eindrucksvoller kontrastieren. Was vom Label als sounds of iluminescent and rushing keyboard clusters beschrieben wird, erweist sich als Labsal von flirrender ambienter Struktur, deren helle, obertonreiche Gestalt immer in Bewegung bleibt. Im Verlauf der beiden Stcke entfalten sich beim zweiten Yangnay mehr noch als beim erffnenden Gnayang leisere und lautere Abschnitte, in denen kleine Unregelmigkeiten, die manchmal wie Tonstrungen anmuten, fr eine im besten Sinne unspektakulre Dynamik sorgen. Und durchgehend sorgt eine sonnengeblendete Flimmersthetik fr ein fast nostalgisches Deja-Vu zu klassischen Synthesizer-Kompositionen besserer Zeiten.
Weit davon entfernt den Verffentlichungsturnus v.a. im Harsh Noise zu berblicken schtze ich, dass Antimateria zu den herausragenden Releases in diesem Bereich zhlt. Das betrifft natrlich primr die Coalminer und seinen Kollegen gewidmete Seite, aber auch in dem hier adressierte Dunstkreis tut ein Blick ber den Tellerrand, hinter dem Bianchi seine sanften Keyboardsounds spielt, sicher ganz gut. Tolle Platte, die hoffentlich nochmal neu aufgelegt werden wird." [U.S./African Paper]
"First off, this album has six different vinyl versions, ranging from 10 copies in pristine white to 90 copies in red/brown flamed. Some are with additional CDs, some without, but Grubenwehr really put some effort into this release. I give compliments to you guys; your effort and energy paid off.
The two sides of this album are unrelated to each other. With this, I mean, it's not artists remixing each other or collaborative work using each other's sounds or so. It's 20 minutes per artist, and I think I have never had a better opportunity to present two fully different definitions of noise music in the same review to you, the reader. First of all, Side A: Coalminer. A duo from Manilla. Philippines, on their four tracks, work together with friends from all over the world. How about (and it's just half of them) Torturing Nurse, Richard Ramirez, Gnaw Their Tongues and Unsignified Death? And the music
is so intense!!! I couldn't tell you the content of the lyrics, but the titles kinda imply it. "Dissection", "Gaping Crevice", "Decomposition" and "Electrocution". I mean ... It's probably all lullabies for the sick and twisted (pun intended).
The reverse side contains two 10-minute pieces by M.B., a.k .a. Maurizio Bianchi. M.B. started working on his art in 1979 using pre-recorded sounds and, in 1980, worked more with the generation of his own sounds. He is absolutely one of the pioneers of early industrial and noise, and on the two pieces presented here - "Gnayang" and "Yangnay" - he approaches the theme of "Antimateria" through sounds of luminescent and rushing keyboard clusters. How does that translate to sound? Two lengthy pieces in which not much happens but where a lot happens. It sounded like a combination of organs and vocoders and was never-ending, always moving. I had a few moments where I was drawn into the atmosphere of Wendy Carlos works, but then more of a static/non-static drone. IF M.B.'s interpretation of the subject was that while nothing happens, a lot happens, and at the same time, because a lot happens, nothing happens, then he succeeded cum laude. Beautiful works, but in all honesty, It's an acquired taste." [BW/Vital Weekly]