AMINI, SIAVASH — A Mimesis of Nothingness
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"Siavash Amini returns to Hallow Ground with A Mimesis of Nothingness, his fourth album for the Swiss label. Following up on Harmistice (HG 1902LP, 2019) together with fellow Iranian artists 9T Antiope, the six tracks were conceived in close collaboration with another artist and see the prolific composer intensify his interdisciplinary approach. The six tracks enter a dialogue with the photographs of Nooshin Shafiee, an acclaimed artist whose work capturing their hometown Tehran becomes the starting point for one of Amini's most visceral and haunting records. A Mimesis of Nothingness translates the ephemeral situations and melancholic moods of Shafiee's pictures into suspenseful soundscapes that masterfully navigate between the concrete and the abstract. A Mimesis of Nothingness is a disquieting record precisely because it is a quiet one. Working with field recordings, Amini sculpts dynamic portraits that create an atmosphere of tangible suspense that is never fully released. Even when string-like sounds enter the picture as they do on the third track "Moonless Garden" or when the abstract and glacial noise on "Observance (Shadow)" demand the listener's attention, the six pieces take hold of the subconscious rather than trying to be direct and confrontational. It is sound conceived not as a description, but a circumscription of spatial relations and the eeriness embedded in them. Includes eight-page booklet."
"Zu den interessantesten Versuchen, einen Ort im knstlerischen Medium, sei es Bild, Text oder Klang, erfahrbar zu machen, zhlen jene, die den Blick auf eher untypische Aspekte lenken. Ein solcher Fokus richtet sich an ein aktives Publikum, das die prsentierten Details mit dem vorhandenen Wissen zu einem kaum festschreibbaren, hypothetischen Rahmen synthetisiert, und er umschifft ganz nebenbei eine Menge Klischees. Das ganz seiner Heimatstadt Teheran gewidmete neue Album von Komponist und Producer Siavash Amini befasst sich mit Details des Ortes, die zunchst wenig zu den Projektionen passen, die der Medienkonsument abrufen kann, seien diese den Nachrichten oder den Resten eines verklrenden Orientalismus geschuldet. Amini, den Leser unserer Seiten sicher von seiner Zusammenarbeit mit 9T Antiope kennen, ist zudem ein leidenschaftlicher Kollaborateur, und so ist The Mimesis of Nothingness erneut eine Gemeinschaftsarbeit, diesmal mit der ebenfalls in Teheran lebenden Fotografin Nooshin Shafiee.
Amini und Shafiee trafen sich vor einigen Jahren zum ersten Mal in der Emkan Gallery im mit diversen Art Spaces gespickten Zentrum der Stadt. Sie stellte dort gerade eine Reihe digitaler Fotografien aus, whrend Amini im Raum nebenan Soundevents organisierte. Aufgrund ihrer gemeinsamen Anstze ein Sinn fr Raum, frs Fragmentarische und Experimentelle lie die Idee zu einer Kollaboration nicht lange auf sich warten, und so wurde der Grundstein zu A Mimesis of Nothingness gelegt: Die Stadt sollte sich quasi selbst portrtieren mit wie zufllig aufgeschnappten nichtigen Objekten und Soundschnipseln, aber auch mit der diffusen Atmosphre, die sie zu erzeugen wei. Die beiden Knstler sollten dabei mehr wie Medien fungieren, durch deren Ohren und Augen der Ort spricht. Dass Teheran dabei weder als romantischer Sehnsuchtsort, noch als Schauplatz weltpolitischer Konflikte erscheint, mag mit einigen westlichen Vorstellungen brechen, den Nerv der Einheimischen trifft das aber sicher umso mehr.
A Mimesis of Nothingness fhrt sein Publikum in ein Teheran, durch dessen Huserschluchten und Alleen, ber dessen weite Pltze, Parks, Fabrikgelnde und Ruinen ein eisiger Wind weht, ein Wind, der Hagelkltze und Staub und Erinnerungen transportiert und all dies sprunghaft in die unterschiedlichsten Richtungen weht. In den Fotos mag die khldunkle Atmosphre impliziert sein, im langsam heranschleichenden Dark Ambient-Sound Aminis ist sie mehr als deutlich im gesampleten Wind und Regen zu hren, und doch scheint dies und das Echo undefinierbaren Donnerns und Detonierens eher das Innenleben des Ortes und seiner Bewohner wiederzugeben. Auf den Bildern sind Objekte zu sehen, die Kontext und Charakter erst beim genaueren Hinsehen implizieren: Zeltplanen, Vorhnge und andere ausladende Textilien kehren leitmotivisch wieder in den dunkel ausgeleuchteten Tableaus, hngen auf Wscheleinen oder bedecken Treppen, Mbel und manchmal auch den ganzen Schauplatz, und alles, was unter ihrem Stoff verdeckt wird, wirkt auer Betrieb, im Standby, und jede direkte menschliche Prsenz wrde deplatziert wirken.
Die Musik und die Bilder arbeiten (auch) immer wieder sehr stark mit dem, was sie gerade nicht prsentieren. Immer gibt es Aussichten auf ein diffuses Dahinter, auf Baum- oder Husergruppen, diffuse bergnge auf weitere Rume sind zu sehen. Wohin fhren diese ffnungen, Wege, freien Flchen, was ist oder passiert dahinter oder daneben? Die Frage nach dem greren Rahmen des nur ausgeschnittenen Raumes ist so evident wie ein eingeblendeter Schriftzug oder eine Stimme aus dem Off. Auch bei den kreisenden, rauschenden, rumpelnden Bewegungen der elegant gestalteten Musik kommt immer wieder die Frage nach dem Was, dem Woher und dem Wohin auf, doch geheimnisvoll ist das Szenario nicht nur wegen des fragmentarischen Charakters und der nur gelegentlich ortbaren Sounds, sondern auch wegen des immer wieder Spannung berzeugenden Wechsels von melancholischen und harschen, gewaltsamen Passagen, die meist recht pltzlich in Form bohrender Loops oder eisiger Lrmlawinen einbrechen.
Die Streicherparts im unromantisch betitelten Moonless Garden halten die schnsten, aber auch die desolatesten Momente des Albums bereit, und letztlich sind es doch die Anzeichen des Lebens, die die Szenerie auflockern: zeternde Vgel, deren Krchzen keineswegs betulich wirkt, Schritte, die von einer tiefernsten Klangflche begleitet eine Treppe herauf oder herunter gehen, gegen Ende sogar menschliche Stimmen, die den Hrer sofort, trotz Sprachbarriere, in einen anderen kommunikativen Modus bringen.
An der meist nur bedingt fassbaren Stimmung, die selten mit derart klaren und eindringlichen Mitteln hervorgerufen wird wie hier, ndert auch das nichts auf A Mimesis of Nothingness fhlt man sich an einem unbekannten Ort ausgesetzt, den man ber das zufllig vorgefundene erkundet. Wenn es so etwas wie ein Wesen eines Ortes gibt, so kann man dieses vermutlich so besser erfahren, als durch ein vorgefertigtes Set an Dingen, die man gesehen haben muss." (U.S.) AFRICAN PAPER
africanpaper.com/2020/08/29/siavash-amini-the-mimesis-of-nothingness/
"Zu den interessantesten Versuchen, einen Ort im knstlerischen Medium, sei es Bild, Text oder Klang, erfahrbar zu machen, zhlen jene, die den Blick auf eher untypische Aspekte lenken. Ein solcher Fokus richtet sich an ein aktives Publikum, das die prsentierten Details mit dem vorhandenen Wissen zu einem kaum festschreibbaren, hypothetischen Rahmen synthetisiert, und er umschifft ganz nebenbei eine Menge Klischees. Das ganz seiner Heimatstadt Teheran gewidmete neue Album von Komponist und Producer Siavash Amini befasst sich mit Details des Ortes, die zunchst wenig zu den Projektionen passen, die der Medienkonsument abrufen kann, seien diese den Nachrichten oder den Resten eines verklrenden Orientalismus geschuldet. Amini, den Leser unserer Seiten sicher von seiner Zusammenarbeit mit 9T Antiope kennen, ist zudem ein leidenschaftlicher Kollaborateur, und so ist The Mimesis of Nothingness erneut eine Gemeinschaftsarbeit, diesmal mit der ebenfalls in Teheran lebenden Fotografin Nooshin Shafiee.
Amini und Shafiee trafen sich vor einigen Jahren zum ersten Mal in der Emkan Gallery im mit diversen Art Spaces gespickten Zentrum der Stadt. Sie stellte dort gerade eine Reihe digitaler Fotografien aus, whrend Amini im Raum nebenan Soundevents organisierte. Aufgrund ihrer gemeinsamen Anstze ein Sinn fr Raum, frs Fragmentarische und Experimentelle lie die Idee zu einer Kollaboration nicht lange auf sich warten, und so wurde der Grundstein zu A Mimesis of Nothingness gelegt: Die Stadt sollte sich quasi selbst portrtieren mit wie zufllig aufgeschnappten nichtigen Objekten und Soundschnipseln, aber auch mit der diffusen Atmosphre, die sie zu erzeugen wei. Die beiden Knstler sollten dabei mehr wie Medien fungieren, durch deren Ohren und Augen der Ort spricht. Dass Teheran dabei weder als romantischer Sehnsuchtsort, noch als Schauplatz weltpolitischer Konflikte erscheint, mag mit einigen westlichen Vorstellungen brechen, den Nerv der Einheimischen trifft das aber sicher umso mehr.
A Mimesis of Nothingness fhrt sein Publikum in ein Teheran, durch dessen Huserschluchten und Alleen, ber dessen weite Pltze, Parks, Fabrikgelnde und Ruinen ein eisiger Wind weht, ein Wind, der Hagelkltze und Staub und Erinnerungen transportiert und all dies sprunghaft in die unterschiedlichsten Richtungen weht. In den Fotos mag die khldunkle Atmosphre impliziert sein, im langsam heranschleichenden Dark Ambient-Sound Aminis ist sie mehr als deutlich im gesampleten Wind und Regen zu hren, und doch scheint dies und das Echo undefinierbaren Donnerns und Detonierens eher das Innenleben des Ortes und seiner Bewohner wiederzugeben. Auf den Bildern sind Objekte zu sehen, die Kontext und Charakter erst beim genaueren Hinsehen implizieren: Zeltplanen, Vorhnge und andere ausladende Textilien kehren leitmotivisch wieder in den dunkel ausgeleuchteten Tableaus, hngen auf Wscheleinen oder bedecken Treppen, Mbel und manchmal auch den ganzen Schauplatz, und alles, was unter ihrem Stoff verdeckt wird, wirkt auer Betrieb, im Standby, und jede direkte menschliche Prsenz wrde deplatziert wirken.
Die Musik und die Bilder arbeiten (auch) immer wieder sehr stark mit dem, was sie gerade nicht prsentieren. Immer gibt es Aussichten auf ein diffuses Dahinter, auf Baum- oder Husergruppen, diffuse bergnge auf weitere Rume sind zu sehen. Wohin fhren diese ffnungen, Wege, freien Flchen, was ist oder passiert dahinter oder daneben? Die Frage nach dem greren Rahmen des nur ausgeschnittenen Raumes ist so evident wie ein eingeblendeter Schriftzug oder eine Stimme aus dem Off. Auch bei den kreisenden, rauschenden, rumpelnden Bewegungen der elegant gestalteten Musik kommt immer wieder die Frage nach dem Was, dem Woher und dem Wohin auf, doch geheimnisvoll ist das Szenario nicht nur wegen des fragmentarischen Charakters und der nur gelegentlich ortbaren Sounds, sondern auch wegen des immer wieder Spannung berzeugenden Wechsels von melancholischen und harschen, gewaltsamen Passagen, die meist recht pltzlich in Form bohrender Loops oder eisiger Lrmlawinen einbrechen.
Die Streicherparts im unromantisch betitelten Moonless Garden halten die schnsten, aber auch die desolatesten Momente des Albums bereit, und letztlich sind es doch die Anzeichen des Lebens, die die Szenerie auflockern: zeternde Vgel, deren Krchzen keineswegs betulich wirkt, Schritte, die von einer tiefernsten Klangflche begleitet eine Treppe herauf oder herunter gehen, gegen Ende sogar menschliche Stimmen, die den Hrer sofort, trotz Sprachbarriere, in einen anderen kommunikativen Modus bringen.
An der meist nur bedingt fassbaren Stimmung, die selten mit derart klaren und eindringlichen Mitteln hervorgerufen wird wie hier, ndert auch das nichts auf A Mimesis of Nothingness fhlt man sich an einem unbekannten Ort ausgesetzt, den man ber das zufllig vorgefundene erkundet. Wenn es so etwas wie ein Wesen eines Ortes gibt, so kann man dieses vermutlich so besser erfahren, als durch ein vorgefertigtes Set an Dingen, die man gesehen haben muss." (U.S.) AFRICAN PAPER
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