PHALLUS DEI — Black Dawn

Format: CD
Label & Cat.Number: Dark Vinyl Records DV 70
Release Year: 2017
Note: the 7th album for this German industrial band (existing since 1988) showing a wide spectrum of different approaches from rumbling earthquake noise over distorted guitar ur-drones to massive electronic industrial soundscapes with hypnotic classic or jazzy touch, feat. guest musicians NIELS VAN HOORN (LPD), PETER BRTZMANN (!) and MERZBOW (!), as well as JACQUELINE HAMELINK on Cello... CD version with one long exclusive track "Stigmata"
Price (incl. 19% VAT): €13.00

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"Ein in dichte, undurchdringliche Dunkelheit gehlltes Szenario, in welchem sich nur schemenhaft kleine Details zu erkennen geben. Erst mit der Zeit scheint sich das Dunkel etwas zu lichten, nach und nach geben sich immer mehr Gegenstnde zu erkennen, die langsam aber merklich in Bewegung geraten. Und doch bleibt all dies so rtselhaft und unklar wie zuvor, und ganz auflsen wird sich das Dunkel ohnehin nicht. Was bleibt ist der Eidruck einer diffusen Bedrohung. So in etwa knnte man sich eine schwarze Morgendmmerung oder ein schwarzes Erwachen vorstellen. Phallus Dei haben fr ihr neues Album einen wahrlich passenden Titel gewhlt.

Phallus Dei besteht als Projekt bereits seit Ende der 80er damals noch als Solo-Projekt von Oliver St. Lingam, doch bald kamen andere Musiker hinzu, und seit langem bilden Lingam, Marc Ernsting und Richard Van Kruysdijk eine feste Band, die sich aber immer wieder Gassnger und andere Kollaborateure aus ganz unterschiedlichen Ecken ins Boot holt. Dies und ein wahrscheinlich ohnehin recht breit gefchertes Interesse an Musik sorgt bis heute dafr, dass die Gruppe ihren stilistischen Ort auf fast jedem Release immer wieder neu definiert hat, und so kann man auf Phallus Dei-Platten phasenweise rituellen Industrial, Ambient, Crossover oder, wie zuletzt bei A Day in the Life of Brian Wilson melancholische Songs in teilweise akustischer Instrumentierung hren. In einer schwer zu definierenden dsteren Verschrobenheit findet man erst mit der Zeit ein vage verbindendes Element.

Das vor kurzem wieder beim alten Stammlabel Dark Vinyl erschienene Black Dawn wirkt von der musikalichen Gestalt her wie eine radikale Antithese zum besagten Vorgnger, denn whrend A Day in the Life of Brian Wilson uerst eingngig war und einen leichten, luftigen Sound hatte, findet sich auf dem aktuellen Longplayer die schwerste Drhnung, die man von der Band bislang zu hren bekam. Gleich das erffnende Slewed besteht vordergrndig betrachtet aus einer tonnenschweren, statischen Klangdecke von zhem, klebrigem Material. Assoziationen zu mittlerweile klassischen Sunn O)))-Alben oder deren Zusammenarbeit mit Boris liegen nahe, auch wenn man aus Distinktionsgrnden sicher obskurere Vergleiche finden knnte. Doch Phallus Dei klingen elektrifizierter, schaffen ein meliertes Amalgam aus Gitarrendhnen, Beckenrauschen und Elektronik.

Am interessantesten jedoch sind die vielen Beigaben, die die vermeintliche Statik durcheinanderbringen und immer wieder fr Dramatik sorgen: kurze, hektische Rhythmen, die so schnell von der Bildflche verschwinden, wie sie erschienen sind, eine Schuttlawine aus bedrohlich heranrollenden Sounds, desolates, rituell angehauchtes Pochen, seltsame Hochtnereien. Ist Slewed noch mehr black als dawn, so ndert sich dies zumindest bei den nchsten beiden Tracks, bei denen sich die einzelnen Komponenten weit mehr an die Oberflche wagen. Bei Starman ist dies nach einem lngeren Vorlauf aus verrauschtem Pulsieren und hypnotischem Celloeinsatz das Tenorsaxophon keines Geringeren als Peter Brtzmann, dessen Spiel perfekt mit dem Rest interagiert und zugleich fr die emotional entfesseltsten Momente sogt.

Das Cellospiel von Jacqueline Hamelink prgt auch das folgende Zauberwald, das mit seiner beklemmenden Atmosphre fast einen Gegenpart bildet. Durchgehende Rhythmen und die einzigen Sprachfetzen auf dem Album geben diesem Stck vorbergehend die Klarheit eines luziden (Alb-)Traums. Das fast zwanzigmintige Krieger, das Phallus Dei wieder im Alleingang bestreiten, knpft in seinem zhen Bombast an den Opener an. Wrde das Album nach der ersten Hlfte des Songs enden, hinterliee es den Eindruck eines uerst fatalistischen Zyklus, doch entrckt ber der Drhnung schwebende Synthies und das Hauchen einer sanften Stimme lassen schon ahnen, dass die doomige Schwere nur ein retardierendes Moment darstellt eine Erwartung, die sich im kraftvollen Drumeinsatz erfllt. Stigmata (das auf der mir vorliegenden CD-Version enthalten ist, auf der 2LP-Version findet ich stattdessen der Track Corpus) sorgt mit dem tiefen, ornamentalen Saxophonspiel Niels van Hoorns und verspielter Elektronik fr einen ereignisreichen Abschluss. Letzteres stammt aus der Ideenschmiede Merzbows, der dem Charakter des Stcks jedoch keinen derart individuellen Stempel aufdrckt wie die anderen Gastmusiker.

Black Dawn ist ein ungemein intensives Album, das garantiert ganz unterschiedliche Hrergruppen jenseits von Genregrenzen zu begeistern versteht, wenn es denn die entsprechende Verbreitung erfhrt. Sanfte Gemter, die beim Vorgngeralbum gerade die relativ leichte, stellenweise fast poppige Gestalt mochten, sollten sich diesen Brocken jedoch mit einer festen Grundlage im Magen zu Gemte fhren. (U.S.)" [African Paper]