RLW — Störungen
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"Dekoriert mit Edvard Munchs 'Jugend am Meer' (1904) aus dem Linde-Fries (in einer Bearbeitung durch frau-unbekannt), geht RLW bei Störungen (Psych.KG 233, LP) zurück in die Zeit, als Kinos noch Lichtspieltheater hießen. Und als Psychologie noch eine junge Wissenschaft war, die sich in die Fluten versteckter Störungen stürzte. RLW trifft mit Ausdrücken wie 'Vermeidungsquartett', 'Periphere Schwankungen', 'Dysphorische Episode' oder 'Leerkrampf' ganz gut den Jargon der Wiener und Züricher Seelenärzte, deren Kundschaft den Zusammenhang von Kopf und Körper ähnlich idealisierten wie Dr. Linde, dem Munchs Bilder dann nicht keimfrei genug waren, schon gar nicht fürs Kinderzimmer. Die ersten 'Stör'-Klänge scratchen und toben wie ein Dämon, der ausfahren will und knurrend den Ausgang sucht. Mit grollendem Maulen und krachigen Verwerfungen im Schleudergang. Die Rede ist von bearbeiteten Resonanzkörpern, Betonung wohl auf Körper. Den beuteln perkussive Invasionen, hörbar als unterbewusstes Grollen oder als pervers polymorphende Alieninvasion im Überich. Flashbacks trillern im Weichgestänge, tubadunkel, gleißend glissandierend, zuletzt erratisch beorgelt oder brutistisch glossolal. Musikalische Reste glitchen auf knurrigem Fond, Tonbandfetzen schlurchen am Tonkopf, dongende Gongs geraten in die Miesen. Ideale haben kaum noch Schrottwert, verdrängen aber eisern ihre Entwertung und versickern als schweinisch-dämonische Legierung. Erneute musikalische Zuckungen führen zu Reibungsverlusten, durch Hirnrisse zischt und sirrt es, der azaphalische Körper leckt. Und vice versa. Kein Mensch ohne dys- "[BA 92 rbd]